Die Schweizer Hochalpen stehen vor dem bislang markantesten Schneesignal dieses jungen Herbstes. Für Donnerstag, 8. Oktober, wird eine Kaltfront aus Nordwesten erwartet. Der Trend des von GeoSphere Austria betreuten Alpen-Bergwetters sieht Schnee in den Hochlagen entlang der Schweizer Nordalpen; die Prognosesicherheit wird derzeit als mittel eingestuft.
Von einem ersten Schneefall überhaupt kann man trotzdem nicht pauschal sprechen. Einzelne Gipfel und Gletscher können bereits zuvor Schnee gesehen haben. Nach dem extrem warmen und trockenen Sommer ist aber bemerkenswert, wie schneearm selbst sehr hohe Lagen waren. Das SLF meldete Anfang Oktober, dass am Weissfluhjoch auf 2536 Metern zwischen Juli und September erstmals seit Messbeginn vor 90 Jahren kein einziger Tag mit geschlossener Schneedecke registriert wurde.
Der Titlis zeigt den Höhenunterschied besonders deutlich
Die aktuelle Prognose für den Titlis zeigt am Donnerstag einen raschen Temperaturrückgang. Gegen 8 Uhr werden dort etwa 0 Grad erwartet, am späten Vormittag und Nachmittag sinkt die Temperatur auf rund -3 bis -4 Grad. Gleichzeitig setzt Niederschlag ein. Unter diesen Bedingungen fällt ein grosser Teil des Niederschlags in der Gipfelregion als Schnee.
Im Dorf Engelberg sieht es ganz anders aus: Dort liegen die Werte am Morgen um 9 Grad, am Nachmittag um 9 Grad und am Abend noch bei rund 5 Grad. Das zeigt, weshalb von einem Hochalpen-Ereignis gesprochen werden muss – nicht von einem Wintereinbruch bis in die Täler.
Wie viel Schnee kann liegen bleiben?
Für exakte Neuschneemengen ist die Lage drei Tage im Voraus noch zu unsicher. Am Titlis werden derzeit knapp 14 Millimeter Niederschlag für Donnerstag gerechnet. Bei durchgehend negativen Temperaturen in den höheren Stunden ist dort eine sichtbare Neuschneedecke wahrscheinlich. Wie viele Zentimeter tatsächlich liegen bleiben, hängt von Temperatur, Wind, Schneefalldichte und dem noch relativ warmen Untergrund ab.
Besonders auf Gletschern, Firnflächen und schattigen Hochlagen kann der Schnee besser ansetzen. Auf aperen Felsen und sonnenexponierten Hängen wird ein Teil zunächst wieder abschmelzen oder verweht werden. Der Wind ist dabei ein wichtiger Faktor: Für den Titlis werden am Donnerstag Böen um 45 km/h erwartet.
Noch kein stabiler Winterstart
Selbst wenn die Hochalpen am Donnerstag deutlich weisser werden, ist damit noch keine dauerhaft geschlossene Winterschneedecke garantiert. Anfang Oktober kann frischer Schnee bei nachfolgender Erwärmung in vielen Lagen rasch wieder verschwinden. Für die Gletscher und höchsten Gipfel ist die Kaltfront dennoch ein erster ernsthafter Schritt Richtung Wintersaison.
Was Wanderer und Bergfahrer beachten sollten
Oberhalb der Waldgrenze können sich die Verhältnisse am Donnerstag schnell verschlechtern: schlechte Sicht, nasse oder vereiste Felsen, frischer Schnee und kräftiger Wind sind möglich. Wer in hochalpine Lagen unterwegs ist, sollte die Prognose am Mittwochabend nochmals prüfen und Touren nicht nach Sommerbedingungen planen.